FIGUREN DER COMMEDIA DELL'ARTE

Venedig/Murano (?) oder Innsbrucker Hofglashütte (?), letztes Viertel 16. Jahrhundert

 

Die drei kunstreich aus Glas gefertigten Figurinen verkörpern verschiedene Charaktere des italienischen Stegreif theaters, der so genannten Commedia deli' arte, die sich im 16. Jahrhundert in Oberitalien entwickelte und im 17. und 18. Jahrhundert vor allem in Venedig und Neapel ihren Höhenpunkt erleben sollte.

Der Typus des Comico (KK 2705) oder Erzählers, der als Bindeglied zwischen Zuschauern und Schauspielern fungiert, wird durch die Figur mit der weißen Schriftrolle in ihrer Rechten dargestellt, während der Capitano (KK 2711) an seinem umgeschnallten Degen zu erkennen ist. Da er die Rolle des Maulhelden und Aufschneiders innehat, wird er mit wild gestikulierenden erhobenen Armen wiedergegeben. Die dritte Figur (KK 2714) kann als Lelio, als jugendlicher Liebhaber in modischer Kleidung, identifiziert werden. Wahrscheinlich waren die drei Figurinen Teil einer größeren Gruppe, zu der auch Harlekin und Kolumbine gehört haben mögen.

Die Produktion solcher detailreichen gläsernen Kleinskulpturen war zeitaufwendig und erforderte ein hohes Maß an Präzision. ber Glasbläser fertigte zunächst aus Eisendraht ein Gestell in Form der späteren Figur, über die er zuvor im Feuer erweichte Schmelzglasstäbe legte. Danach wurde beides über einer Flamme miteinander verschmolzen. Diese künstlerische Technik wurde meisterhaft in den Glashütten von Murano beherrscht, sie kam aber nach 1575 auch in der Innsbrucker Hofglashütte zum Einsatz. Wo und für wen diese Objekte tatsächlich gefertigt wurden, konnte bislang noch nicht eruiert werden.

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